Angst, Panikattacken

Dr. Schleser

Allgemeines:
 
Herzrasen, Atemnot, Zittern, Todesangst. Wie auch immer die Symptome ausfallen, sie werden als äußerst bedrohlich oder gar lebensgefährlich wahrgenommen. 
Angsterkrankungen nehmen in der Bevölkerung weiter zu und werden selten rasch erkannt und behandelt. Dabei gehören Panikattacken zu den psychischen Störungen die gut behandelbar sind. Ca. 30 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen bekommen während ihres Lebens eine Angststörung, Tendenz steigend.
Der Betroffene kann das was ihm widerfährt oft nicht einordnen und die körperlichen Symptome können nicht einer Ursache oder Erkrankung zugeordnet werden.
Die erlebte Hilflosigkeit und die fehlende Kontrollmöglichkeit der erlebten Panikattacke führen oft zu einer Situation, in der sich der Patient alleingelassen und nicht verstanden fühlt. Scham und fehlende Worte für den unbekannten Ausnahmezustand führen zu einer
Sprachlosigkeit und fehlenden offenen Kommunikation. Betroffene fürchten häufig schwer körperlich oder psychisch erkrankt zu sein!
Die Abfolge von Körpersymptomen (Zittern, Luftnot, etz) und entsprechender gedanklicher Interpretation - werde ich jetzt verrückt oder hört gleich mein Herz auf zu schlagen- führt dann regelmäßig in einen sich hochschaukelnden Teufelskreis.
Wichtig ist es Wissen über den unbekannten Zustand zu erlangen, akute Hilfsmaßnahmen zu erlernen und sich dann auch in der Folge mit den möglichen Ursachen der Panikattacken zu befassen.
 
 
Ausschluß organischer Ursachen:
 
Erforderlich ist eine Blutuntersuchung, um eine Hyperthyreose oder einen Eisenmangel als Ursache für die körperlichen Symptome auszuschließen. Auch eine kardiale Untersuchung mit EKG und L-EKG ist in der Regel sinnvol. Ebenso manchmal eine Ergometrie, Herzecho, Röntgen-Thorax. Sind körperliche Ursachen für die Panikattacke beim Diagnostik-Check ausgeschlossen worden, so kann sich der Betroffene eher bei einer Attacke in die "Beobachterposition" begeben und die körperlichen Symptome nur wahrnehmen, ohne die Angst an einer schweren, wenn nicht gar tödlichen Erkankung zu sterben zu bekommen.
 
 
Symptome Panikattacke;
 
Heftigste Angstgefühle bis Todesangst, Herzrasen, Herzklopfen, Luftnot, Zittrigkeit, weiche Knie, blasse Haut, Schwindel, Gefühl fehlender Kontrolle und Hilflosigkeit, Gefühl kein Halt zu finden, verrückt zu werden und den Verstand zu verlieren, sich zu blamieren, etwas schlimmes zu verursachen, bewußtlos zu werden und hinzufallen, zu sterben, etz.
 
 
Akut helfende Maßnahmen:
 
  • Auf die Atmung achten, möglichst tief und langsam Ein- und Atmen. Die Hand auf den Bauch legen und in den Bauch atmen. Dadurch wird die Hyperventilationstetanie (Kribbeln der Finger und Kribbeln um den Mund herum) vermieden.
  • Körperliche Symptome bewußt wahrnehmen und dasein lassen.
  • Der wahrgenommenen Energie im Körper ein Ventil geben, d.h. nicht starr im Bett liegen oder strarr auf Stuhl sitzen bleiben, sondern sich bewegen oder im Raum umhergehen.
  • Den Blick weiten, indem der Raum, die Gegenstände, die Umgebung in allen Richtungen bewußt wahrgenommen werden.
  • Bewußte mentale Kontrolle (Ablenkung) indem langsam rückwärts von 20 bis 0 gezählt wird.
  • Offener Kontakt zu vertrauten Menschen gibt Sicherheit (Berührung, Anschauen, Reden).
  • Die oben empfohenen Verhaltensweisen in Ruhe einzuüben! Während der Attacke wird es schwierig auf die Atmung zu achten,  wenn dies voher nicht eingeübt wurde.
  • Mittelfristig: Das Vermeidungsverhalten bewußt machen (Angst vor der Angst) und ohne Selbstüberforderung Schritt für Schritt angstauslösende Situationen/Orte/Menschen wieder aufsuchen.
  • Vermeidung von ständiger ängstlicher Selbstbeobachtung z.B. durch sportliche Beätigung.  
  • Lernen körperliche Empfindungen wie Aufregung, Kribbeln, Wärmegefühl etz. als positive Energie und nicht sofort als negative Angstreaktion zu interpretieren. Die sogenannten Adrenalinjunkies suchen freiwillig immer wieder ähnliche Körpererfahrungen mit Angst, Anspannung und viel Nervenkitzel!
  • Längerfristig: Als Notbremse, da die vorausgehenden Warnsignale nicht  beachtet wurden. Rückblickend die Angststörung als Chance zu sehen, die zu einer nötigen Kurskorrektur veranlasste. Sich zu fragen, was ist nicht meins oder tut mir nicht gut? Die Panikattacken fordern zur Kurskorrektur auf um nicht ein Leben lang einen Weg zu gehen, der einen nicht glücklich macht.

 

 Ursachenforschung:
 
Oft ist der betroffen zu Beginn der Attacken ratlos, kann sich nicht erklären woher die Symptome kommen und warum gerade er davon betroffen ist. Zu Panikattacken führen verschiedene Faktoren, innere und äußere. Oft sind es mehrere Faktoren, die für den Betroffenen und sein Nervensystem zusammengenommen eine Überforderung darstellen. Folgende Fragen können zur Selbstreflexion anregen:
 
 
  • Gab es Vorboten und Warnsingnale in der Vergangenheit die ignoriert wurden?
  • Fehlende Abgrenzung - Nein sagen können - gegebenüber Wünschen der Mitmenschen die den eigenen Werten, Wünschen, Zielen widersprechen?
  • Damit verbundene Gefühle wie Wut, Ärger oder Hass nicht zulassen zu können, aufgrund der guten Erziehung und um niemanden zu enttäuschen und um nagende Schuldgefühle zu vermeiden?

 

Positive Aspekte der normalen Angst und Angstreaktion, d.h. der physiologischen Angstreakton: sie schützt uns vor Gefahren, macht wach, präsent und gibt uns Energie. Die Panikareaktion ist dann als ein zuviel an Energie zu verstehen.

 

Manchmal ist auch die professionelle Hilfe in Form einer Psychotherapie erforderlich. Es gibt mittlerweile einige gut überprüfte Therapien zumeist auf verhaltenstherapeutisch-kognitiver Basis. Medikamente können zur Akuttherapie auch hilfreich sein, stellen aber keine Dauerlösung dar. Panikattacken sind immer eine dringende Aufforderung an den Betroffenen eine wie auch immer geartete Veränderung in ihrem Verhalten und in ihrem Leben herbeizuführen. Veränderung bedeutet aber auch seine vertraute Kompfortzone verlassen zu müssen, was natürlich wieder Ängste hervorrufen kann. Veränderung benötigt meistens Geduld und Zeit und kann nur Schritt für Schritt gelingen. Gute Freunde oder Familienmitglieder können im positiven Kontakt ein Gefühl der Sicherheit vermitteln. Hierfür ist aber die offene Kommunikation des Betroffenen über seine Zustände erforderlich. Die vom Patienten oft diffus-verwirrend geschilderten Symptome wie Schwindel, Luftnot, Herzrasen etz. werden leider auch oft falsch von Angehörigen verstanden und mit Aussagen wie "stell dich nicht so an, das bildest du dir nur ein, du bist doch gesund ..." kommentiert. Das mangelnde Verständnis liegt aber meist nicht an mangelnder Empathie, sondern an mangelnder eigener Erfahrung mit Angstzuständen und mit Panikattacken. Selbst in den Notaufnahmen der Krankenhäuser, wo Menschen mit Angstattacken häufig landen, werden Patienten mit Panikattacken oft fälschlicherweise auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bluthochdruck oder Asthma untersucht, und ohne zutreffender Diagnose wieder nach Hause geschickt. In ihrer Not wenden sich dann die Betroffenen an "Dr. google" im Internet, was leider bekanntermaßen aufgrund der Fülle an unterschiedlichen Treffern nicht immer zur richtigen Diagnose führt! Nach meiner Erfahrung kennen sich leider auch nicht alle Hausärzte mit Angststörungen wie Panikattacken gleichermaßen gut aus. Der Gang zum Hausarzt kann aber der erste Schritt zur Diagnosefindung und Diagnosesicherung sein. Vermuten sie also bei sich anhand der oben beschriebenen Symptome an einer Panikstörung zu leiden, so trauen sie sich bitte, auch zu ihrem Hausarzt zu gehen und die Beschwerden mit ihrem Hausarzt zu besprechen.

 
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